SMPV ‒ der Weg zur Musik
Schweizerischer
Musikpädagogischer Verband
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Freischaffende Musiklehrpersonen sind im ganzen Bereich der musikalischen Bildung tätig. Sie unterrichten Kinder, Jugendliche und Erwachsene und nehmen in vielen Bereichen wichtige Funktionen wahr, so z.B. beim Erwachsenenunterricht oder auch in der Begabtenförderung, wie die Resultate der grösseren Jugendmusikwettbewerbe immer wieder verdeutlichen. Dieser wichtigen Rolle stehen aber ein oftmals nicht sehr hohes Ansehen des Berufs und eine teilweise noch ausbaufähige Interessenvertretung gegenüber. Es war das Verdienst der 43. D-A-CH-Tagung, sich dieses grossen, aber im medialen Mainstream immer etwas im Schatten stehenden Gebietes anzunehmen. Dass das Thema an der Tagung sehr breit angegangen wurde, entspricht dem Stand der Diskussion und war deshalb angemessen. Wir können der Breite der ganzen Tagung hier nicht gerecht werden – es wurde die Tätigkeit der FMP z.B. auch historisch beleuchtet – es sollen nur die aktuellen Herausforderungen zusammenfassend referiert werden.

Problematische Arbeitsbedingungen und Scheinselbständigkeit

Freiberufliche Musiklehrpersonen sind im Grunde Einzelunternehmer, die auf eigene Rechnung und eigenes Risiko arbeiten. Jedoch gibt es einen grossen Graubereich in welchem mit dem ganzen Risiko der Selbständigkeit in anstellungsartigen Arbeitsverhältnissen gearbeitet wird. Während in der Schweiz die korrekte Abgrenzung von selbständiger und unselbständiger Erwerbstätigkeit insgesamt immer konsequenter praktiziert wird, sind in Deutschland und Österreich auch an öffentlichen Musikschulen Beschäftigungsverhältnisse gang und gäbe, bei denen in der Praxis unselbständige Merkmale überwiegen, die Verträge aber eine selbständige Tätigkeit definieren (meist Lehraufträge). Der Anteil solcher Arbeitsverhältnisse (oft Scheinselbständigkeit) liegt vor allem in Deutschland traditionell auf hohem Niveau, scheint aber  anteilsmässig gegenüber den festen Anstellungsverhältnissen laufend zuzunehmen. Die Nachteile solcher Verträge für den Arbeitnehmer liegen auf der Hand: kürzeste Kündigungsfristen, keinerlei Pensengarantien, keine Sozialleistungen. Dass dieser Praxis nicht stärker widersprochen wird, liegt unter anderem auch daran, dass gerade finanziell schwächere Institutionen sich darauf berufen, neue «Besitzstände» in Form von regulären Anstellungen nicht finanzieren zu können.

Freiberufler mit vielfältigen unternehmerischen Möglichkeiten

Während Scheinselbständigkeit keine unternehmerische Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten bietet, kann echte, unternehmerisch begriffene Selbständigkeit durchaus interessante Perspektiven eröffnen. Netzwerke von FMP können einen wichtigen Beitrag zur musikalischen Bildung leisten und ihre Stärken auf dem Markt ausspielen (keine Wartezeiten, flexible Zeit- und Unterrichtsmodelle…). Darüber hinaus können FMP einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten, indem sie von sich aus strenge Qualitätskriterien und –standards definieren und auch konsequent und selbstbewusst für kostendeckende Preise eintreten, gerade auch angesichts des Dumpings verschiedener Anbieter in Deutschland und Österreich.

Berufsverbände gefordert

Angesichts des überall spürbaren massiven Spardrucks im Bildungsbereich bedarf es gut vernetzter Interessenvertretungen, um die Anliegen der freischaffenden Musiklehrpersonen wirkungsvoll zu vertreten. Die Akteure im Bereich der musikalischen Bildung müssen mehr denn je an einem Strang ziehen, um sich im politischen Prozess Gehör zu verschaffen. Konkrete Anliegen betreffen hier etwa die steuerliche Behandlung der FMP, Beiträge an Weiterbildungen und Mindesthonoraransätze. Die Verbände können ihre freischaffenden Mitglieder aber auch durch Dienstleistungen und die Bereitstellung von Unterrichtsnetzwerken unterstützen – die Privatunterrichtsdatenbank des SMPV darf hier durchaus Vorbildcharakter für sich beanspruchen.

Aufwertung der Musikpädagogik

In der Schlussdiskussion war man sich einig, dass die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Musikunterricht in Zukunft noch zunehmen wird. Dass die gesellschaftliche Wahrnehmung des Wertes der musikpädagogischen Arbeit noch weithin aufzuwerten ist, gilt nicht nur für die freischaffenden Musiklehrpersonen, sondern für den ganzen Bereich der Musikpädagogik. Angesetzt werden müsste daher schon in der Berufsausbildung durch eine Stärkung der pädagogischen Ausbildungsgänge, die gegenwärtig zu oft im Schatten der Performance-Studiengänge stehen – der pädagogischer Bereich könnte z.B. mit eigenen Aufnahmeprüfungen als eigener Ausbildungsstrang ein stärkeres Profil gewinnen. Wünschenswert wäre auch eine frühzeitige realitätsnahe Vorbereitung der Studierenden, bei denen ein grosser Überhang im Bereich Performance zu konstatieren ist, auf das Berufsleben nach dem Studium, in welcher das Unterrichten für die allermeisten zwangsläufig in den Vordergrund tritt – für zu viele aber eben erst dann.

Resolution der Verbände

Greifbares Ergebnis der Tagung war eine Resolution, welche die drei Trägerverbände AGMÖ, DTKV und SMPV verabschiedeten und in welcher Behörden und Bildungsträger aufgerufen werden, durch konkrete Massnahmen den Beruf der freischaffenden Musiklehrpersonen zu stärken. So sollen FMP erleichterten Zugang zu benötigter Infrastruktur erhalten können (Probe- und Unterrichtsräume, günstige Werbemöglichkeiten z.B. an Schulen) und Zugang zu Fördermitteln z.B. für Projekte im Bereich der Begabtenförderung erhalten. In die immer wichtiger werdende Kooperation zwischen Schulen und Musikschulen sollen auch freischaffende Lehrpersonen miteinbezogen werden und schliesslich soll auch die Einzelförderung von Kindern und Jugendlichen in einer Weise ermöglicht werden, dass auch qualifizierte freischaffende Musiklehrkräfte ihr Bildungsangebot einbringen können.

-bt

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