SMPV ‒ der Weg zur Musik
Schweizerischer
Musikpädagogischer Verband
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Die Finanzkrise hat neulich deutlich gezeigt, dass nicht alles in unserem Wunderkapitalismus zum Besten bestellt ist. Wäre diese späte Erkenntnis nicht der Moment, auch einige „marginale“ Missstände, die als Folge der Marktanbetung seit eh und je wuchern, etwas eingehender vor Augen zu führen? Nicht, dass dies das System als Ganzes erschüttern müsste, es könnte jedoch vielleicht seine Selbstherrlichkeit etwas dem Boden der Realität annähern.

Die Musikwelt lebt und gedeiht als eine zentrale Kulturlandschaft auch in elektronischer Epoche noch immer vom Konzertleben, in dem eine wesentliche Rolle den Symphonieorchestern zukommt. In diesen sind die Streicher das Fussvolk, das seine Faszination am Wunder seiner Instrumente mit dem Doppelgespann der Freude und des Frons im Orchesterspiel meist zu bezahlen hat. Da sie als einzige dort in Gruppenanonymität wirken, aus der höchstens noch ein Unteroffizier als Konzertmeister oder Stimmführer hervor gehoben wird, werden sie auch nur eines Gruppenerfolgs teilhaftig. Ihr anstrengendes Studium - das heute auch noch unter dem Zweikampfstern zwischen moderner Tradition und historischer Aufführungspraxis steht – wird „gekrönt“ von einer anschliessenden Bewerbungsmühsal um Stellen in Orchestern, bei der sich Hunderte von Kandidaten um jeden Platz balgen. Nicht genug dieser Belastungen ihres anfänglichen Idealismus, wird auf ihrem Rücken auch noch ein erbitterter Kampf um höchstmögliche Verkaufspreise ihres Handwerkzeugs, der Geige, Bratsche, des Cello oder Kontrabass unter darauf spezialisierten Händlern, die gleichzeitig als Experten für deren preisestützende Echtheit fungieren, und Sammlern, die ihr in Bankgeschäften „erarbeitetes“ Geld irgendwo sicher anlegen wollen, ausgetragen. Dabei ist es nur jenes Fussvolk, das überhaupt die Verwendung, die Hochschätzung und die Entfaltung der Qualitäten dieser Instrumente bewerkstelligen kann, das dann allein die Last dieses unfairen Handels tragen muss. Entweder führt sie diese Sachlage in Abhängigkeit von Nichtmusikern in Banken oder sonstiger Geschäftswelt, deren Segen sie bereits aus der privatrechtlichen Struktur vieler musikpädagogischen Institutionen ihrer Ausbildung kennen, und die sie als Lehrer dann begleiten wird, oder von gutmeinenden, schlechtwirkenden Onkeln, die ihren Amateurgeschmack verwirklicht hören wollen.Das Opfer der persönlichen musikalischen Ausdrucksfreiheit im Orchester wird ihnen mit Zins und Zinseszins mit ihrer Einverleibung in die gesellschaftliche Pyramide des Besitzes von Renommé fördernden, berühmten Instrumenten „zurück bezahlt“. Ein Missstand, über den sich schon niemand mehr aufzuregen versucht, der jedoch als Teil der diskreditierten Finanzwirtschaft immerhin Erwähnung verdient.

Der Wahrheit zuliebe müssen auch die auftauchenden Anzeichen einer Selbstregulierung erwähnt werden: da die Geigenhändler alle auch Geigenbauer, -liebhaber und -reparateure sind, die neue Instrumente in den alten ebenbürtiger Qualität heute bauen und auch die alten fachmännisch betreuen, instand halten und reglieren, verlegen sich viele darunter wieder vermehrt auf diese geigerfreundlichen Tätigkeiten. Auch sie waren nur Opfer einer sich schrankenlos ausbreitenden Mentalität des Profits, die nun glücklicherweise an ihre natürlichen Grenzen gestossen ist.

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