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Musikpädagogischer Verband
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«Aus der Substanz des Bewährten das Neue schaffen»

Zentralpräsidentin Brigitte Scholl über ein für den Verband bewegtes Jahr und die Perspektiven für die Zukunft

Lucas Bennett: Brigitte, der SMPV startet ins Neue Jahr. Als Redaktor der Verbandsseiten war 2009 mein erstes «ganzes» Jahr beim Verband. Ich hatte dabei den Eindruck, dass der Verband in vielerlei Hinsicht im Wandel, im besten Sinne «unterwegs» ist. Falls Du diesen Eindruck teilst – wie würdest Du die Reise der letzten Monate ihren prägnanten Stationen nach zusammenfassen?

Brigitte Scholl: Der Verband ist im Aufbruch. Ich möchte allerdings mit einem kleinen Rückblick beginnen: der SMPV geriet nach Streichung der BAK-Subventionen Ende der 90er-Jahre und einer Reihe unglücklicher Umstände in arge finanzielle Schieflage und musste sich in den Jahren 2005-2008 erst einmal wieder von Schuldenlast befreien; eine Arbeit, die allen Einsatz verlangte und notgedrungen keine Neuerungen mit Kostenfolgen zuliessen. 2009 hatten wir endlich wieder die Kraft, uns in der Verbandslandschaft neu zu positionieren und auch im Innern Neuerungen zu lancieren. Angesprochen auf prägnante Stationen möchte ich da den Beitritt als interkantonaler Fachverband zum LCH erwähnen: mit diesem Beitritt sind die Musiklehrkräfte bereit, sich als Teil des ganzen Bildungssystems zu sehen und den engen Zusammenhang zwischen Schulmusik und ausserschulischem Unterricht in seiner vollen Tragweite zu erfassen. Eine weitere Neuerung ist aber auch der Beschluss, auf der Homepage des SMPV eine spezielle Datenbank für im Privatunterricht tätige Mitglieder aufzubauen. Das ist auf den ersten Blick eine reine Dienstleistung; dahinter steht aber weit mehr: der SMPV ist bereit, die Herausforderung anzunehmen, ein Gefäss sowohl für angestellte Musiklehrkräfte, als auch eine Plattform für musikpädagogische Unternehmerinnen und-unternehmer zu sein.

L. B.: Gerade bei der Zusammenarbeit mit anderen Berufsverbänden, die ja auch in unserem letzten Gespräch (s. SMZ 11/08) eine wichtige Rolle gespielt hat, hat sich viel getan. Ich denke da vor allem an den bereits erwähntenBeitritt des SMPV zum Dachverband der schweizerischen Lehrerinnen und Lehrer LCH, aber auch an die an der letzten Präsidialkonferenz in Aussicht gestellte Prüfung einer engeren Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Musikerverband SMV (s. SMZ 10/09). Gibt es bei der Zusammenarbeit mit dem LCH schon erste Erfahrungen und Perspektiven? Und gibt es zur Frage der Zusammenarbeit mit dem SMV einen neuen Zwischenstand?

B. S.: In der Zusammenarbeit mit dem LCH gibt es vorallem über die äusserst positive Unterstützung der Initiative «Jugend und Musik» zu berichten; eine Unterstützung, die gerade nach den Verlautbarungen des Bundesrates zur Initiative besonders wertvoll ist. Darüber hinaus hat der SMPV – immer in Koordination mit dem ebenfalls zum LCH gehörenden Verband Schweizer Schulmusik VSSM – an ersten Vernehmlassungen teilgenommen. Wir sind in der grossen «Bildungsfamilie» gut aufgenommen worden.

Die Gespräche mit dem SMV gehen weiter, ich möchte jedoch um Verständnis bitten, dass es noch zu früh ist, eine breitere Öffentlichkeit über den genauen Stand der Dinge zu informieren.

L. B.: Auch bei der SAMP ist vieles in Bewegung – ein neubesetzter Stiftungsrat, ein äusserst engagierter Förderkreis, der im letzten Jahr viele Aktivitäten entfaltet hat und ein ungebrochen grosses Interesse an dem einzigartigen Modell der privaten Berufsausbildung zeugen vom Stellenwert dieser traditionsreichen Institution.Nun gibt es im Verband auch Stimmen, die die Machbarkeit des Fachhochschulprojektes ganz grundsätzlich in Frage stellen, und gemäss der letzten Delegiertenversammlung (s. SMZ 5/09) wird die Berufsausbildung an der nächsten DV wieder ganz grundsätzlich zur Diskussion stehen und sicher auch kontrovers diskutiert werden. Insofern scheint die Zeit für eine Zwischenbilanz gekommen zu sein. Wie schätzt Du als Zentralpräsidentin des SMPV und Ko-Präsidentin des Stiftungsrates der SAMP die aktuelle Lage und die Perspektiven ein?

B. S.: Noch ist es zu früh, den Champagner kühlzustellen, um auf den vollumfänglichen Erfolg anzustossen. Ich bin aber sehr optimistisch, dass wir es schaffen werden mit dem Projekt Fachhochschule – aufgrund neuster Informationen sogar finanziell: was allerdings in keiner Weise heisst, dass die Bemühungen etwa des Förderkreises bereits wieder eingestellt werden können - im Gegenteil! Die Delegiertenversammlung des SMPV wird sich aus rein statutarischen Gründen mit dem Thema SAMP befassen müssen. Ich möchte hier jedoch etwas weiter ausholen: es ist nicht nur negativ, dass es bisweilen «nicht schneller vorangegangen» ist mit der SAMP.

So haben sich z.B. die Vorgaben des BBT (Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, Anm. Red.) im Laufe der Jahre geändert: wenn die Studienanbieter (alle – nicht nur die im Musikbreich) in der ersten Phase der Umstellung auf Bachelor/Master noch beweisen mussten, dass ein Studiengang seine Daseinsberechtigung auf Bachelor- oder Masterstufe hat, so müssen nun die nachfolgenden Studienanbieter «nur» noch aufzeigen, dass ihre Angebote vergleichbar sind. Die bereits etwas konsolidierte Situation im musikalischen Fachhochschulbetrieb wie aber auch erste klar erkennbare Probleme der Hochschulreform überhaupt (z.B. Semesterbeschränkungen an den öffentlichen Hochschulen, die ein subventioniertes Zweitstudium quasi verunmöglichen) sprechen zugunsten unseres Projektes. Wir sehen uns denn auch klar nicht als Konkurrenz zu den öffentlichen Hochschulen, sondern als Ergänzung. Es ist klar, dass die neuen SAMP-Studiengänge nicht einfach die alten sein werden, hoffentlich dereinst versehen mit einer staatlichen Anerkennung: jeder Anbieter von Ausbildungen im tertiären Bereich muss die gesetzlichen Rahmenbedingungen einhalten, wenn er eine staatliche Anerkennung möchte. Aber die hartnäckige Weiterentwicklung der demnächst 100 Jahre alten SMPV-Berufsausbildung zeigt auch klar, dass das System, welches seit je «Learning Outcomes» bewertete und sehr flexibel ist, absolut zukunftsträchtig ist.

L. B.: Das Thema der Arbeitsbelastung, welche Vorstandmitglieder sowohl im Zentralvorstand, wie auch auf Sektionsebene auf sich nehmen, bleibt unverändert aktuell und beschäftigt viele Mitglieder stark. Es wird nicht einfacher, engagierte Vorstandsmitglieder zu finden und zu motivieren. Wir sprachen ja im letzten Herbst (s. SMZ 11/08) auch über die Frage der Professionalisierung gewisser Funktionen und die gezielte Nutzung bestehender Synergien mit anderen Verbänden. Auch wenn es noch etwas zu früh sein mag, danach zu fragen: gibt es diesbezüglich schon konkrete Ideen oder Strategien?

B. S.: Konkrete Ideen gibt es viele in den Köpfen der Zentralvorstandsmitglieder und wohl auch der Sektionsvorstände. Die Frage ist bloss, welche dieser Ideen mehrheitsfähig sein werden. Der Zentralvorstand hat an seiner Sitzung vom 12. Dezember 2009 die Optimierung der Führungsstrukturen des SMPV in personeller und finanzieller Hinsicht zum Jahresziel 2010 erklärt und wird sich damit ausgiebig an seiner Klausurtagung befassen. Deren Ergebnisse werden in die Präsidialkonferenz 2010 und von da in die DV 2011 weitergetragen werden.

L. B. Wie hast Du die Entwicklung des Arbeitsaufkommens als Zentralpräsidentin persönlich erlebt?

B.S.: Als ziemlich schwierig. Problematisch ist da nicht nur die konkret zu leistende Arbeitsstundenzahl, sondern vor allem der Umstand, dass der immer mehr vernetzte SMPV mit quasi ehrenamtlichen Chargen mit voll professionalisierten Organisationen zusammenarbeitet. Letztere setzen z. B. Sitzungstermine zu Zeiten fest, die für hauptberufliche Geschäftsführer kein Problem darstellen, für eine Verbandspräsidentin, die im Hauptberuf Musiklehrkraft und ausübende Musikerin ist, jedoch sehr wohl. Um ganz persönlich zu werden: die Grenze der Zumutbarkeit an Unterrichtsverschiebungen für meine Schüler ist mehr als erreicht.

L. B.: Die Delegiertenversammlung 2010 rückt näher. Ohne im Geringsten eine abschliessende Traktandenliste zu erwarten: Welche Themen werden aus Deiner Sicht den Delegierten und dem Zentralvorstand am 27. März vor allem zu diskutieren geben?

Themen werden die Berufsausbildung sein, aber auch eine Reihe von Statutenänderungen, welche Spiegel der neuen Zeit sind: etwa die Einführung einer Kollektivmitgliedschaft von Verbänden (analog unserer «Kollektivmitgliedschaft» beim LCH). Zudem erwarten wir einige interessante Motionen aus den Sektionen, deren Stossrichtungen ich hier aber noch nicht bekanntgeben darf, um den Entscheiden der Sektionshauptversammlungen nicht vorzugreifen.

L. B.: Dem Zentralvorstand fällt es naturgemäss zu, wichtige Themen und Prioritäten für den ganzen Verband «vorzuspuren». Die Erwartungen sind dabei – dies wohl auch naturgemäss – stets hoch. Gibt es umgekehrt auch Wünsche, die Du oder der Zentralverband an die Sektionen und an die Mitglieder richten würdest?

B. S.: Oh ja, diese Wünsche gibt es sehr wohl auch! Aus all dem oben Gesagten geht hervor, dass wir uns bewegen müssen, um den Erfordernissen der Zukunft standhalten zu können. Aufbruch hat immer auch mit Abschied zu tun. Ich wünsche mir, dass in der SMPV-Basis der Mut zum Aufbruch grösser sein wird als das ängstliche Festhalten am Alten, dass die Begegnung mit anderen Verbandskulturen als Chance zum eigenen Wachstum, zur eigenen Entwicklung begriffen wird und nicht als Machtverlust. Nur so ergibt sich die einzigartige Chance, aus der Substanz des Bewährten das Neue zu schaffen.

Interview: -bt

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