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Am 16. Februar ist Willi Gohl im 85. Altersjahr gestorben. Viele von uns verdanken ihm starke Anregungen, sind von ihm geprägt worden. In einer Lehrerfamilie aufgewachsen, besuchte er zunächst das Lehrerseminar. Am Zürcher Konservatorium studierte er Klavier und Schulmusik und wurde Musiklehrer an der Stadtzürcher Töchterschule. Aus dieser Arbeit ging der von ihm gegründete Singkreis hervor, der vom 7. Dezember 1955 an 40 Jahre lang nicht nur durch unzählige «Offene Singen» auf öffentlichen Plätzen, am Radio übertragen, weit herum bekannt wurde, sondern auch zu einem der leistungsfähigsten Chöre mit internationaler Ausstrahlung wuchs. Vieles aus den jeweiligen Liedblättern trug zur Erneuerung des Liedgutes bei und ist in Lehrmittel der Schulen eingegangen, darunter auch eigene Liedsätze. Von 1959 bis 1986 hat Gohl als Direktor des Konservatoriums Winterthur das dortige Musikleben bereichert, die Studierenden individuell betreut und sie mit Auslandsreisen und anderen mannigfachen Impulsen auf seine unbürokratische Art gefördert. Als Präsident des Schweizer Musikrates und massgeblicher Initiator der Vereinigung «Europa Cantat» vermochte er Akzente zu setzen, ohne die praktische Musikausübung als Chorleiter und Cembalist der Zürcher Kammermusiker zu vernachlässigen. Darin wurde er unermüdlich durch seine Frau, die Sängerin Verena Gohl, und später durch seine fünf Kinder, die alle Musiker geworden sind, unterstützt.

Was bleibt uns am stärksten haften? Sind es seine Oratorienaufführungen, Werke u. a. von Frank Martin und Willy Burkhard, in denen ich gelegentlich mitwirken durfte und die nach einem Minimum an Proben durch momentane Ausstrahlung des Dirigenten zu eindringlicher Wirkung kamen? Gerne erinnere ich mich an einen der letzten öffentlichen Auftritte des Singkreises in der Zürcher Tonhalle mit dem Bachschen Weihnachtoratorium. Gohl probte einmal eine Stunde lang vor Konzertbeginn mit dem singwilligen Publikum die Choräle und verhalf ihm, im Wissen um eine nichthistorische Praxis, zu einem Erlebnis der besonderen Art. Oder sein «Singen im Advent», seit 1984 in Verbindung mit den Radio-Kinderstunden, die meine Frau Verena geb. Guggenbühl betreute? Bis zu 60'000 Liedblätter verschickte das Radio vorher in die ganze Schweiz, damit an vielen Orten zuhause mitgesungen und mitgespielt werden konnte. Eine Probe bei uns zuhause mit Kindern und jungen Zugewandten, eine kurze Instruktion, welche Stimme wer singen oder auf welchem Instrument spielen soll, musste reichen. Dann galt es ernst bei den Aufnahmen im Radiostudio. Und wenn eines der Kinder nach der Probe unsicher war, ob es alle Anweisungen verstanden habe, trösteten die andern: «Weisst du, im Radio macht er sowieso alles wieder etwas anders!» Das Geheimnis seines bleibenden Erfolgs war das Wagnis des Augenblicks, das Willi Gohl bewusst einging und auf seine gekonnte, charmante Art meisterte.

Am Sonntag, 6. Juni, wird um 11 Uhr im Stadthaussaal Winterthur ein öffentliches Gedenkkonzert für Willi Gohl stattfinden.

Bernhard Billeter

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