SMPV ‒ der Weg zur Musik
Schweizerischer
Musikpädagogischer Verband
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Das bisherige Curriculum war zur Hauptsache altersgruppen-orientiert, wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf das Zielpublikum Kleinkinder gelegt wurde. Damit folgte der Studienplan dem traditionellen Musikvermittlungslehrgang der Musikhochschule Detmold. Mit der aktuellen Neukonzeption wird der Fokus vermehrt auf Inhalt und Umfeld gerichtet. Dies trägt der beruflichen Realität Rechnung und unterstützt aufgeschlossene und kommunikativ begabte Musikerinnen und Musiker bei der kritischen Analyse des Bestehenden und auf der Suche nach neuen Wirkungsfeldern zur beruflichen Weiterentwicklung.

Als Berufsverband reagiert der SMPV laufend auf Veränderungen der musikpädagogischen Berufsanforderungen. Die Übertragung der Verantwortung für die SMPV-Berufsausbildung an die SAMP war daher im aktuellen bildungspolitischen Umfeld ein konsequenter Schritt. Dass die ZHdK und die SAMP gemeinsam den Musikvermittlungsstudiengang ins Leben gerufen haben, entspringt wiederum genau dieser Ausrichtung auf die Berufsrealität.

Neue Schwerpunkte im Studienplan

Strukturell setzt sich das neue Angebot aus vier verschiedenen CAS-Studiengängen (CAS: Certificate of Advanced Studies) mit gezielten Vertiefungsrichtungen zusammen. Das Absolvieren eines zusätzlichen Master Moduls kann abschliessend zum Master-Abschluss in Musikvermittlung (MAS) führen.

Im Zentrum der Neukonzeption standen Fragen der Aktualität sowie die Reflexion über inhaltlich-qualitative Kriterien und Ziele für eine zukunftsorientierte und professionelle Musikvermittlung. Wo soll und kann Musikvermittlung auf sinnvolle Weise stattfinden? Welche Berufsperspektiven sind damit verbunden? Wie kann Musikvermittlung umgesetzt werden, so dass sie den Interessen und Bedürfnissen der verschiedenen Zielgruppen gerecht werden kann?

Vier CAS-Vertiefungen

Die vier CAS-Vertiefungsrichtungen können berufsbegleitend absolviert werden, dauern jeweils ein Semester (Beginn Herbst 2012) und widmen sich je einem aktuellen und zukunftsweisenden Aspekt der Musikvermittlung. Sie haben zum Ziel, das breite und facettenreiche Feld der musikvermittelnden Tätigkeiten auszuleuchten, Wissen und Können im Umgang mit zeitgemässen Praktiken und Werkzeugen bereitzustellen sowie die kritische Betrachtung und Beurteilung bestehender Angebote und aktueller Tendenzen zu fördern. Im Kontaktunterricht, in Praxisprojekten wie auch im Selbst- und Gruppenstudium stehen die konzeptionellen, kommunikativen und organisatorischen Prozesse im Bereich der Musikvermittlung im Mittelpunkt. Die Einbindung von namhaften Expertinnen und Experten aus dem Bereich Musivermittlung und aus anderen Kunst- und Kultursparten sowie führenden Kulturinstitutionen aus dem In- und Ausland in den Unterricht und in die Praktika konnte nochmals verstärkt werden. Die Studiengangsleitung obliegt Katharina Rengger, bisherige Projektleiterin der Lucerne Festival Academy.

Der CAS «Musikvermittlung – im Auftrag unterwegs» – Projekte für Konzert- und Opernhäuser fokussiert auf einen sehr aktuellen und vielgefragten Bereich der Vermittlungsarbeit. Im Zentrum steht der Auftrag einer Institution oder eines Veranstalters mit den jeweiligen Programmen und den damit verbundenen Vermittlungsformen und Formaten. Wie definiere ich mein Zielpublikum? Welche Interessen und Bedürfnisse gilt es abzudecken? Welche Angebote können aus den oft bereits festgelegten Programmen generiert werden? Der CAS «Musikvermittlung – im Auftrag unterwegs» vermittelt theoretische Grundlagen und praktische Werkzeuge für das Kreieren von eigenen Programmkonzepten, verschafft Einblicke in aktuelle Vermittlungsprojekte an Konzert- und Opernhäusern, fördert die individuelle Profilbildung, bietet Vernetzungsmöglichkeiten zu Konzert- und Opernhäusern und befähigt zu innovativen und zukunftsgerichteten Vermittlungsformen.

CAS «Musikvermittlung – Integration» – Projekte in soziokulturellen Zusammenhängen

In der sozialen Kulturarbeit werden zunehmend Fachkräfte benötigt, welche spezifische Angebote im Bereich der Musikvermittlung konzipieren und umsetzen können. Nicht nur in der Kinder- und Jugendarbeit, auch in der Behindertenhilfe, Sozialarbeit und Seniorenarbeit kann das musikalisch-kreative Schaffen entscheidend zur Lebensfreude beitragen und als erfolgreiches Medium zur Förderung von Kommunikation, Integration, sozialen Kompetenzen, Selbstbewusstsein und Identitätsfindung eingesetzt werden, gerade weil es Menschen auch auf emotionaler und sensomotorischer Ebene anspricht. Mit dem CAS «Musikvermittlung – Integration» soll die direkte Hinwendung von Akteuren und Kultureinrichtungen zur gesellschaftlichen Wirklichkeit und zum Alltag im Zentrum stehen. Er vermittelt Grundlagen im sozialpädagogischen Kontext für die Konzeption und Organisation von musikvermittelnden Projekten, verschafft ein Repertoire an praxistauglichen Inhalten und Methoden für die soziokulturelle Arbeit im Bereich Musikvermittlung und deren transdisziplinärer Vernetzung, fördert die Fähigkeit zum Beziehungsaufbau mit einer Gruppe von Menschen zur gemeinsamen Ideenfindung und Projektkonzeption, bietet ein breites Kontaktnetz von Fachleuten aus verschiedenen kulturellen Sparten und befähigt zur Konzeption und Durchführung von partizipativen Projekten in ganz unterschiedlichen sozialen Kontexten.

Der CAS «Musikvermittlung – freie Szene» – Projekte zwischen Klangwerkstatt und Hörlandschaft thematisiert die vielzähligen Wirkungsfelder eines freischaffenden Musikers und Künstlers. Vom individuellen miniaturhaften Einzelprojekt bis hin zum grossangelegten Projekt für ein ganzes Schulhaus, von der Installation in freier Natur oder dem einzigartigen Klang-Raum-Erlebnis – der freien Szene sind (fast) keine Grenzen gesetzt. Der CAS «Musikvermittlung – freie Szene» vermittelt theoretisches Grundwissen und praktische Werkzeuge für die Konzeption und Organisation von eigenen Projekten, verschafft Kontakte und Praxiserfahrung mit spannenden Vermittlern, fördert die eigene und projektbezogene Managementfähigkeit, bietet Vernetzungsmöglichkeiten zur Musik- und auch kunstspartenübergreifenden Vermittlungsbranche und befähigt zu neuartigen und mutigen Vermittlungsansätzen.

Der CAS «Musikvermittlung – Web 2.0» – Projekte im Bereich Social Media nimmt den global schnelllebigen, schnell wachsenden und demokratischen Austausch und die gemeinsame Gestaltung von musisch-medialen Inhalten unter die Lupe. Worin zeigt sich das wirkliche Potenzial dieser virtuellen Gemeinschaften? Wie lässt sich dieses optimal für den klassischen Musik- und Kunstmarkt nutzen? Mit welchen Vermittlungsmethoden und

-instrumenten gelingt es uns, den traditionellen Musikkonsumenten allmählich zu einem Produzenten werden zu lassen, und damit das Gefälle zwischen Sender und Rezipient nach und nach auszugleichen? Der CAS «Musikvermittlung – Web 2.0» vermittelt theoretisches Fachwissen über die Welt der sozialen Medien und praktisches Knowhow im Umgang mit den vielzähligen Tools und Anwendungsmöglichkeiten, verschafft kritische und zukunftsorientierte Bewertungsmethoden im Umgang mit Social Media, fördert die eigene Kraft der Imagination, Inspiration und medialen Kreativität, bietet Netzwerkmöglichkeiten mit versierten Experten

und befähigt zu fachkundigem und zeitgemässem Wirken im Bereich der Sozialen Medien.

Baustein – «Musikpädagogik versus Musikvermittlung?»

Wie viel Musikpädagogik verträgt die Musikvermittlung? Wie viel Musikvermittlung braucht die Musikpädagogik? Wie lassen sich die beiden Fachgebiete sinnvoll und fruchtbar kombinieren?

Diese und andere kritische Fragen regen oft zu Diskussionen an. Im Baustein «Musikpädagogik versus Musikvermittlung?» wird dieses aktuelle Thema aufgegriffen, Positionen werden reflektiert, und Lösungen und Modelle für das gemeinsames Wunschziel sollen erarbeitet werden: für eine lebendige und berührende Begegnung durch und mit Musik!

Tagung – «Musikvermittlung - auf dem Weg zur Partizipation?»

Musikvermittlung ist in aller Munde. Kein Festival ohne Sitzkissenkonzert, kein Orchester ohne Vermittlungsbeauftragten, kein Konzerthaus ohne Kid's Club. Der Reigen an Angeboten und Anbietern unterschiedlichster Couleur ist mittlerweile kaum mehr zu überblicken. Doch woher kommt dieser Konsens, dass Musikvermittlung das Gebot der Stunde sei? Welche Ziele werden damit eigentlich verfolgt? Und welche erreicht? Ist die Konjunktur der Musikvermittlung lediglich eine Reaktion auf schwindende Besucherzahlen und die aussterbende Hörerschaft? Wie können wir unterscheiden zwischen professioneller Vermittlungsarbeit und Marketing-getriebenen Verkaufsaktionen? Wie weit können und sollen wir konzeptionell-inhaltlich gehen und wo überschreiten wir – gewollt oder ungewollt – Grenzen? Und welchen Stellenwert hat dabei die Partizipation? Ist sie einfach ein weiteres Modewort im Versuch einer publikumsnahen Musikvermittlung? Oder bietet Partizipation wirklich neue Perspektiven, ohne in das klassische Gefälle zwischen Sender und Rezipient zurückzufallen?

Die Tagung vom 31. März 2012 an der Zürcher Hochschule der Künste öffnet das Know-how des Musikvermittlungsstudiengangs für ein breiteres Publikum. Die Anforderungen der Berufsrealität werden als kritischer Diskurs wieder in ebendiesen Beruf zurückgetragen. Internationale Referentinnen und Referenten werden in Referaten, Präsentationen und Workshops Einblicke in aktuelle Vermittlungsprojekte verschaffen und dabei die kritische Auseinandersetzung mit neusten Entwicklungstendenzen fördern sowie Kriterien, Ziele und Aufgaben für die Konzeption einer lebendig-offenen, zukunftsorientierten und professionellen Musikvermittlung reflektieren.

Katharina Rengger und Valentin Gloor

Fragen an die Studiengangsleiterin Katharina Rengger

Lucas Bennett: Wem stehen die im Artikel beschriebenen Ausbildungsangebote offen, d.h. welche Voraussetzungen müssen für das Studium erfüllt sein?

Katharina Rengger: Alle vier CAS in Musikvermittlung richten sich in erster Linie an engagiert-motivierte und aufgeschlossene Musiker und Musikerinnen, Musikpädagoginnen und Musikpädagogen mit abgeschlossenem Musikstudium und entsprechender Berufspraxis. In Absprache mit der Studiengangsleitung sind in Ausnahmefällen auch Teilnehmende aus verwandten Berufsfeldern zugelassen .

LB: Der MAS in Musikvermittlung wurde bereits von 25 Personen erfolgreich abgeschlossen. Können Sie einige Beispiele für Tätigkeitsbereiche nennen, in denen die Absolventinnen und Absolventen die erworbenen Kompetenzen einbringen können? Gibt es hier schon konkrete Rückmeldungen von Absolventinnen?

KR: Da kann ich gleich an das oben genannte Beispiel anknüpfen. Karl Schimke, Solo-Tubist aus dem Sinfonieorchester St. Gallen, hat als einer der Ersten den Studiengang abgeschlossen. Er ist heute innerhalb seiner Orchestertätigkeit als Kommunikator für das Sinfonieorchester St. Gallen tätig und konzipiert, programmiert und leitet dabei zahlreiche Angebote im Bereich Musikvermittlung. Weitere Absolventen sind als Schulmusiker oder Musikschullehrerinnen und -lehrer tätig. Sie konnten sich durch die Ausbildung eine zusätzliche Qualifikation und spezifische Vertiefung im Bereich Musikvermittlung erwerben, welche sie heute in ihre Projektearbeit einbringen können. Neben den institutionsgebundenen Tätigkeiten (Orchester, Musikschule) bilden aber auch Projektanfragen und Aufträge im sogenannten freien Markt ein immer stärker wachsendes Tätigkeitfeld.

LB: Das erweiterte Weiterbildungsangebot von ZHdK und SAMP im Bereich Musikvermittlung zeugt vom stetig wachsenden Stellenwert dieser Fachrichtung. Woher kommt diese zunehmende Nachfrage nach Musikvermittlung und entsprechenden Ausbildungsangeboten?

KR: Eine sehr aktuelle und auch heikel zu beantwortende Frage. Musikvermittlung ist neben einigen anderen eines der Musik-Modewörter der letzten Jahre. Jede Institution, jeder Verein, jede Formation möchte sich in dem Bereich engagieren und lanciert entsprechende Angebote. Aber die künstlerisch-inhaltlichen und -qualitativen Ansprüche und Resultate liegen zum Teil weit auseinander. Das neue Weiterbildungsangebot von ZHdK und SAMP nimmt dieses Bedürfnis und Engagement ernst, beleuchtet wichtige Themenfelder und vermittelt das nötige Knowhow, um dem Berufsfeld Musikvermittlung die anerkannte und auf den Markt abgestimmte Qualifikation zu geben.

LB: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des Studienangebotes in Zürich? Sind bereits weitere Programme angedacht? Wo würden Sie Schwerpunkte setzen?

KR: In der Konzeption und Weiterentwicklung von Studienangeboten spielen natürlich zahlreiche Faktoren eine wichtige Rolle. Zwei davon möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben. Zum einen müssen die Studienangebote die Interessen und Bedürfnissen des Marktes abdecken. Mit «Markt» meine ich zwei Bereiche: zum einen den Zubringermarkt, die Studierenden, die mit dem Wunsch oder auf der Suche nach neuen Wirkungsfeldern eine zusätzliche Qualifikation erwerben möchten. Und zum anderen der sich stetig wandelnde Abnehmermarkt, unsere Publikum in Konzerthäusern, die Schülerinnen und Schüler an Musikschulen etc. Es ist wichtig, immer wieder an der Zukunft zu schnuppern, Tendenzen zu erkennen und dabei die Richtige Balance zwischen Bewahren und Öffnen zu finden.

Der zweite Aspekt umfasst die individuelle Profilbildung. Bereits in der Bachelor- und Master-Ausbildung und ganz speziell im Bereich der Weiterbildung sind die persönlichen Bedürfnisse und Ziele zur Weiterentwicklung wichtig zu berücksichtigende Faktoren. Aus diesem Grund sind die Studieninhalte der CAS Musikvermittlung unterschiedlich kombinierbar und können dem persönlichen Profil gemäss zusammengestellt und auch in Kombination mit anderen Angeboten der Weiterbildung Musik besucht werden. Die individuelle Beratung während des Studiums und der weiterführende Austausch danach bilden dabei zentrale Elemente.

Weitere Informationen:

www.samp-asmp.ch/ausbildung/mas_musikvermittlung_Konzertpaedagogik/

www.zhdk.ch/?musikvermittlung

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