SMPV ‒ der Weg zur Musik
Schweizerischer
Musikpädagogischer Verband
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Lucas Bennett: Wie bist Du zur Musik gekommen?

Rangit Shorter: Meine Adoptiveltern nahmen mich in Indien, wo ich geboren bin, einmal an ein Cellokonzert mit. Das hat mich als damals Sieben- oder Achtjährigen absolut fasziniert. Ich habe damals zunächst Tabla, ein traditionelles indisches Instrument, gespielt. Nach ein paar Jahren lebten wir in den USA und ich hatte die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen. Das Cello hat mich immer noch unheimlich fasziniert; eigentlich spürte ich schon damals mit 8 Jahren, dass ich einmal Cello studieren würde. Ich bekam zunächst in den USA, dann in der Türkei bei einem Schüler von André Navarra Unterricht. Später ergab sich die Möglichkeit, in der Schweiz bei Claude Starck zu studieren, wo ich dann das Lehr- und Konzertdiplom absolvierte.

LB: Hast du damals eine Karriere als Solist angestrebt?

RS: Unmittelbar nach dem Studium wollte ich vor allem praktische Erfahrungen sammeln. Ich habe an einem Probespiel der Televisone della Svizzera Italiana teilgenommen, wo ich dann vier Jahre gespielt habe. Aber ich spürte, dass ich eigentlich mehr an Kammermusik und auch an Musikpädagogik interessiert war. 1982 wurde ich als Musikschulleiter in Hergiswil angestellt. Gleichzeitig wurde ich Dirigent der damaligen Orchestergesellschaft Luzern. Und so wuchsen meine Tätigkeitsfelder nach und nach. Mit Unterrichten, Schulleitung  und Kammermusik tue ich heute im Grunde genau das, was ich immer wollte.

LB: Wie ergab sich Dein starkes Engagement für den SMPV?

RS: Vor ungefähr sieben Jahren wurde ich angefragt, den Kanton Nidwalden im Vorstand der Sektion Zentralschweiz zu vertreten. Kurze Zeit später trat ich als Präsident der Sektion die Nachfolge von Oliver Holzenburg an. Davor hatte ich eigentlich nie sehr viel mit dem Verband zu tun, obwohl ich schon als 18-jähriger eingetreten bin, die SMPV-Agenda natürlich immer sehr geschätzt hatte, wie auch die interessanten Publikationen. Ich wusste auch, dass ich mich im Bedarfsfall auf die Hilfe des Verbandes verlassen könnte. So richtig gepackt hat mich die Verbandsarbeit aber erst, als ich schon Sektionspräsident war.

LB: Wie sieht Deine persönliche Bilanz nach sieben Jahren Präsidium aus? Wo sollten in Zukunft die Prioritäten liegen?

RS: Ich fühle mich von unserem Vorstand sehr getragen, wir haben  wirklich eine sehr positive und konstruktive Zusammenarbeit. Ich fühlte mich auch immer sehr unterstützt vom Zentralverband. Das ist beides sehr wichtig, denn der Aufwand, den engagierte Vorstandsarbeit mit sich bringt, ist natürlich schon erheblich. Für die Zukunft  denke ich, dass es sehr wichtig ist, dass der SMPV nicht nachlässt in seinen Bemühungen, gerade auch jüngere Menschen als neue Mitglieder zu gewinnen. Wir müssen kommunizieren, dass wir viel zu bieten haben. Mir würde ausserdem manchmal noch mehr Zusammenarbeit unter den Sektionen vorschweben, aber da gibt es realistischerweise einfach auch Grenzen. Es ist natürlich ebenso wichtig, den Austausch mit anderen Berufsverbänden zu pflegen. Und nicht zuletzt sollten wir versuchen, den Kontakt zu den Fachhochschulen zu intensivieren und dort die jungen Leute für unseren Verband zu  gewinnen. Dazu müssen wir mit den Hochschulen ins Gespräch kommen. Das alles braucht Zeit und verlangt vollen Einsatz. Ich habe aber, gerade nach den zwei letzten Präsidialkonferenzen, den Eindruck, dass wir im Verband in vielen dieser Fragen wirklich an einem Strick ziehen.

LB: Du hast die jüngeren Kollegen angesprochen. Denkst du, dass ihr berufliches Umfeld im Vergleich zu früher schwieriger geworden ist?

Ich glaube, der Musikerberuf war immer ein schwieriger. Es ist auch ganz allgemein ein gesellschaftliches Problem, dass nur wenige sich im Klaren darüber sind, was es bedeutet, Musiker zu sein, welche Ansprüche, was für eine Schulung hinter dem Beruf, hinter Musik im allgemeinen, stehen. Zwischen der gesellschaftlichen Nachfrage nach und dem Konsumieren von Musik und dem, was man über den Beruf tatsächlich weiss, besteht eine grosse Diskrepanz. Auf jeden Fall aber ist es schwieriger geworden, als Musiklehrperson eine Stelle zu finden.

LB: Wie beurteilst Du als Musikschulleiter die Musikinitiative und ihre Anliegen?

Die Musikinitiative finde ich sehr wichtig. Alle SchülerInnen und Schüler sollen guten Zugang zu musikalischer Bildung haben. Im Falle unserer Schule in Hergiswil würde ich behaupten, dass wir seit zwei Jahren den Inhalt der Initiative schon praktizieren: Musik ist bei uns Alltag. Volksschullehrpersonen und Musiklehrpersonen arbeiten eng zusammen. Es geht dabei in erster Linie darum, ganz praktisch Musik zu machen, zu spielen, singen und tanzen. Wir realisieren musikbezogene Projekte, Klassenkonzerte, Gruppenprojekte usw. Von diesen Angeboten profitieren nicht nur die Schülerinnen und Schüler, es ergeben sich auch für uns Lehrpersonen in der engen Zusammenarbeit von Volks- und Musikschule spannende, bereichernde Begegnungen.

LB: Wer oder was wird nach Deinem Rücktritt von Deinem Mehr an Freizeit profitieren?

RS: (lacht) In Zukunft wird mein Privatleben etwas stärker zum Zug kommen. Ich möchte mir auch mehr Zeit zum Lesen nehmen können, möchte aber auch reisen, andere Kulturen kennenlernen. Nicht zuletzt  möchte ich wieder vermehrt Kammermusik pflegen.

LB: Was wünschst Du dem SMPV für die Zukunft?

RS: Ich bin sehr glücklich, dass es den SMPV gibt. Ich wünsche ihm, dass er weiter so aktiv bleibt und dass er für seine Anliegen kämpft. Ich wünsche dem Zentralverband und unserer Sektion alles Gute. Man muss immer die Erfolge, die Hochs, anschauen und diese positiven Aspekte in den Alltag einfliessen lassen. Die Tiefs können immer überwunden werden.

-bt

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