SMPV ‒ der Weg zur Musik
Schweizerischer
Musikpädagogischer Verband
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Lucas Bennett: Wie bist Du zur Musik gekommen?

Werner Joos: Ich begann mit 14 Jahren, Gitarre zu spielen und hatte einen anregenden Lehrer. Nach der Matur habe ich gleich angefangen zu unterrichten – es gab einen grossen Mangel an Gitarrenlehrern, so konnte ich über Stellvertretungen einsteigen. Dann habe ich die Aufnahmeprüfung ans Konservatorium gemacht. Ich hatte aber nie Solistenaspirationen, sondern war immer der Pädagoge, war ausserdem auch sehr an Theorie und Komposition und speziell an Neuer Musik interessiert. Später bin ich dann für ein Jahr nach London gegangen, wo ich beim Gitarristen Carlos Bonell weiterstudierte. Das anregende kulturelle Umfeld dort habe ich sehr genossen, habe sehr viele Konzerte besucht.

L.B.: Du hast Dich dann aber auch intensiv mit Sprachen befasst.

W.J.: Zurück in der Schweiz habe ich dann noch Germanistik und Anglistik studiert. Sprache hat mich immer genau so sehr wie Musik interessiert. Eine Zeit lang habe ich auch am Gymnasium Deutsch unterrichtet, danach aber nur noch als Gitarrenlehrer gearbeitet. Nachdem ich sieben Jahre Musikschulleiter war, kam ich zur Schweizer Musikzeitung, wo ich bis 2007 stellvertretender Chefredaktor war und wo ich meine journalistische Ader ausleben konnte. Dazu war ich, bis meine Kinder gross waren, immer zu 50% Hausmann. Ich habe mich immer für viele verschiedene Dinge interessiert.

L.B. Wie bist Du zum SMPV gekommen?

W.J. Das war 1995. Ich hatte den SMPV Schaffhausen über meine damalige Partnerin, die dort Vorstandsmitglied war, kennengelernt. Später wurde ich Mitglied und kurz darauf für die Mitarbeit im Vorstand angefragt. Von 1999–2005 war ich dann Präsident und danach zusammen mit Simon Burr Co-Präsident.

L.B. Wie hast Du die Arbeit in Deiner Sektion erlebt?

W.J. Sehr positiv. Die Sektion Schaffhausen hat immer eine glückliche Personalpolitik betrieben, wir haben immer wieder gute Leute für den Vorstand gefunden und hatten nie wirkliche Krisen. Mein eigentlicher Stolz ist die Musikschule SMPV Schaffhausen. Meine Vorgängerin im Präsidium regte deren Gründung an. Beat Studer, der mittlerweile leider verstorben ist, und ich haben das Projekt dann konkret an die Hand genommen und diese Schule gegründet. Es gelang danach gut, sie zu etablieren und ihre Kontinuität zu gewährleisten. Meines Wissens gibt es sonst nirgends etwas Vergleichbares, allerdings erlauben auch nicht alle Kantone ein solches Modell – in Zürich wäre das z.B. unmöglich.

L.B.: Wie kam es zu Deinem Engagement im Zentralvorstand?

W.J.: In den Zentralvorstand wurde ich 2008 gewählt. Insgesamt habe ich den ZV aber während 13 Jahren aus der Nähe erlebt, auch weil ich seit 2001 die Verbandsseiten des SMPV in der SMZ als Nachfolger von Bernhard Billeter betreut hatte. Dabei war ich bisweilen auch ein durchaus kritischer Beobachter, der nicht immer nur zur Freude aller ZV-Mitglieder berichtete. Als ich dann aber ZV-Mitglied wurde, fand ich es richtig, die Betreuung der Seiten abzugeben.

L.B.: Wie gestaltete sich Deine Arbeit im ZV und wie hast Du die Entwicklung des Zentralverbandes in dieser Zeit erlebt? Welches waren für Dich die wichtigsten Themen?

W.J.: Ich habe zum einen die Homepage des SMPV umfassend revidiert und deutlich verbessern können. Auch das «Profil» mit den drei Säulen Musikpädagogik, Interessenvertretung und Dienstleistungen ist auf meinem Mist gewachsen. Ich habe andererseits darauf hingearbeitet, mehr Systematik in die Arbeitsabläufe im ZV zu bringen, z.B. indem ich Jahresziele für den Verband und die Ressorts im ZV einführen wollte. Ich habe auch versucht, darauf hinzuwirken, dass generell stärker innerhalb spezifischer Ressorts gearbeitet wird. Diese Anliegen konnte ich aber insgesamt nicht so verwirklichen, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Ein grosses Thema im SMPV war stets die Berufsausbildung. Bei der SAMP wurden zweifellos grosse Fortschritte erzielt. Trotzdem empfand ich es als problematisch, dass das Projekt innerhalb des SMPV immer so viele Energien gebunden hat, auch wenn das mittlerweile nicht mehr so sehr der Fall ist wie am Anfang. Das andere Thema betrifft die Strukturen im Zentralverband. Man hat oft von neuen Strukturen gesprochen,  aber bisher nichts Tragfähiges realisieren können.

Es gibt auch viel Positives: Dass das Klima im Gesamtverband heute im allgemeinen viel angenehmer ist als früher, ist vor allem das Verdienst von Zentralpräsidentin Brigitte Scholl; es gibt viel weniger Streitereien im Verband; das Verhältnis zwischen Sektionen und Zentralverband ist allgemein viel besser. Sehr positiv finde ich auch die erfolgte Vernetzung im Bereich der Interessenvertretung, beispielsweise mit dem SGB und dem LCH. Das ist ein Fortschritt. Auch die Vernetzung zwischen den musikbezogenen Verbänden funktioniert heute viel besser.

L.B.: Welche Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten siehst Du für den SMPV in der Zukunft, was sollte angepackt werden?

Ich sehe klar die Notwendigkeit, die Kräfte auf Verbandsebene noch stärker zu bündeln. Man könnte sich dann viel stärker auf inhaltliche Ziele konzentrieren und diese effektiver realisieren. Die Rolle des SMPV stelle ich mir als eine Art musikpädagogisches Kompetenzzentrum vor, das in musikpädagogischen Fragen kompetent und verbindlich Auskunft geben könnte über Standards und Qualitätskriterien im Musikunterricht oder etwa über die notwendigen Arbeitsbedingungen für Lehrpersonen. Der SMPV könnte sich gerade im Zusammenhang mit der Musikinitiative dazu äussern, welche Inhalte an die Schule, welche an die Musikschule gehören, er könnte im wichtigen Bereich der Lehrerausbildung mitreden usw. Momentan ist er aber kein Gefäss, in welchem solche Diskussionen breit geführt werden. Natürlich hängt die Zukunft des Verbandes sehr stark von den Personen ab, die die Arbeit im Vorstand prägen werden.

Interview: -bt

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