SMPV ‒ der Weg zur Musik
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Musikpädagogischer Verband
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Lucas Bennett: Wie bist Du Zur Musik gekommen?

Brigitte Scholl: Das war ein coup de coeur! Ich war etwa fünf Jahre alt und habe das Bieler Sinfonie-Orchester an einem Sommerkonzert spielen gehört – und wusste, dass ich Musikerin werden wollte.

Ich spielte zunächst Cello, nahm später auch ein Studium in diesem Fach in Angriff. Parallel dazu begann ich dann ein Gesangsstudium, welches ich schliesslich abschloss.

 

LB: Was hat Dich bewogen, aktiv beim SMPV mitzumachen?

BS: Meine Grosseltern waren Uhrenarbeiter, mein Vater Eisenbahner. Für sie alle war es eine Selbstverständlichkeit, dass man bei seinem jeweiligen Berufsverband dabei war. Als mich der damalige Berner SMPV-Präsident Hans-Eugen Frischknecht fragte, ob ich beim SMPV als Delegierte mitmachen würde, sagte ich zu. So einfach war das …

 

LB: Wie sah Deine Arbeit in der Sektion Bern aus und wie bist Du dann zum ZV gekommen?

BS: Anfangs betreute ich das Dossier Weiterbildung, ein Jahr später wurde ich Präsidentin. Es begann sich schon abzuzeichnen, dass man sich im Verband breiter vernetzen musste, damals z.B. mit dem Verband Berner Musikschulen. Ich wurde dann als Präsidentin der Präsidialkonferenz als ausserordentliche Ersatzrevisorin beim Zentralverband angefragt. Ich musste in diesem Zusammenhang einige kritische Fragen stellen, es gab stellenweise doch einiges zu verbessern. Man fragte mich darauf, ob ich im Zentralvorstand mitarbeiten würde. Das war 2004, eine ziemlich turbulente Zeit im Verband – ich erinnere nur an den tragischen Tod von ZV-Mitglied Martin Imfeld.

 

LB: Du bist 2008 Präsidentin des SMPV geworden. Welche «Baustellen» hast Du geerbt, wo hast Du Schwerpunkte gesetzt?

BS: Ich war während Prof. Jakob Stämpflis Präsidentschaft Kassiererin des SMPV. Wir hatten 150000.- Franken Buchschulden geerbt. Es war klar, dass wir die Berufsbildung auslagern und fortan über eine schuldenfreie Stiftung betreiben mussten. Beim SMPV mussten zuerst die Finanzen wieder ins Lot gebracht werden; zwischen 2005 und 2008 konnte praktisch nur saniert werden und wir mussten dazu ein rigoroses Sparbudget fahren. Dies durchgesetzt zu haben war das Verdienst von Prof. Jakob Stämpfli. 2008 habe ich dann einen Verband mit null Eigenkapital, aber immerhin ohne Schulden übernommen. Ich konzentrierte mich ab 2008 auch darauf, die Vernetzung des SMPV neu auf- und auszubauen. Die unter Prof. Stämpfli begonnene Professionalisierung der Administration haben wir konsequent weitergeführt.

 

LB: Du sprichst die Pflege der Netzwerke an – worauf kommt es hier besonders an?

BS: Das Wichtigste ist die Präsenz an den Sitzungen. Viele wesentliche Entscheide fallen bei der persönlichen Begegnung und auch schon einmal bei einem Bier nach der Sitzung. Die grosse Herausforderung besteht darin, dass die grossen Verbände professionalisiert sind und ihre Sitzungen zu normalen Arbeitszeiten abhalten und wir uns entsprechend organisieren müssen. Der Rest ist simpel: Man existiert, wird wahrgenommen und gehört. Aber die Präsenz muss geleistet werden.

 

LB: Wie hast Du das Klima im Verband in Deinen 5 Präsidiumsjahren erlebt?

BS: Es gab aus meiner Sicht zwei Dinge, die das Klima wesentlich verbessert haben. Das erste war die Entscheidung, die Delegiertenversammlung simultan übersetzen zu lassen. Das zweite war, detaillierte, transparente Unterlagen und Argumentarien vor DV und Präsidialkonferenz zur Verfügung zu stellen. Dies trug dazu bei, dass niemand sich übergangen oder gar über den Tisch gezogen fühlen musste – was früher nicht zuletzt aus sprachlichen Gründen immer wieder vorgekommen war.

 

LB: Der SMPV steht heute zweifellos wieder gut da und gerade in der Kooperation mit anderen Verbänden wurde sehr viel erreicht. Trotzdem spüren wir in der Entwicklung der Mitgliederzahlen den Druck der demographischen Entwicklung, wie auch der Professionalisierung der grossen Verbände. Finanziell operieren wir nahe am Limit unserer Gestaltungsmöglichkeiten. Wie stellen wir uns diesen Schwierigkeiten? Muss der SMPV in absehbarer Zeit einfach teurer werden?

BS: Man muss hier differenzieren. Die zunehmende Professionalisierung ist ganz einfach ein Gebot der Zeit. Es gibt aber auch hier ein gesundes Mass. Man sollte vor allem versuchen, Doppelgleisigkeiten zu vermeiden: Welche Aufgaben kann z.B. ein Musikrat erfüllen, welche müssen dagegen wir übernehmen? Hier und in anderen Fällen muss man sich absprechen und auch deshalb sind die Netzwerke enorm wichtig. Wir können ja auch nicht einfach beliebig teurer werden, dafür ist unsere Klientel im Allgemeinen einfach nicht zahlungskräftig genug, und nicht zuletzt auch sehr heterogen – man sollte deshalb immer im Auge behalten, was für unsere schwächsten Mitglieder finanziell tragbar ist. Mittelfristig aber dürfte eine moderate Teuerung möglich und vertretbar sein.

 

LB: Es war und bleibt schwierig, Mitglieder für die Vorstandsarbeit zu gewinnen. Was müssen wir tun, um diese attraktiver zu machen?

BS: Die Vorstandsarbeit sollte so schlank wie möglich gestaltet werden, sie sollte so effizient wie möglich aufgeteilt werden. Sitzungen sollten unter Ausnützung der elektronischen Medien auf das absolut notwendige Mass beschränkt werden, gerade auch, um der beruflichen Realität der jüngeren Mitglieder gerecht zu werden.

 

LB: Welche Herausforderungen siehst Du in den nächsten Jahren auf den SMPV zukommen? Welche inhaltlichen Schwerpunkte kann der SMPV nach der Auslagerung der Berufsbildung setzen?

BS: Zunächst denke ich da an die demographische Entwicklung. Der SMPV muss ja über eine gewisse Grösse verfügen, um politisch ernst genommen zu werden. Hier sehe ich zwei Probleme: Es gibt heute, auch aufgrund der höheren internationalen Mobilität, weniger zu rekrutierende Mitglieder als in der Vergangenheit. Ein weiterer Punkt ist der Umbruch, der auf unsere Mitglieder zukommt. Es werden bei immer weniger Kindern unweigerlich Stellenprozente wegbrechen, die Kundschaft der Lehrpersonen wird sich ändern, und das wird auch für unseren Verband eine Herausforderung bedeuten. Übertroffen werden könnten solche Szenarien noch durch eine globale wirtschaftliche Krise, die den gesamten Mittelstand in Mitleidenschaft zieht. Das sind so oder so grosse Herausforderungen. Ich möchte hier aber auch erwähnen, dass es dem SMPV gemäss einer Studie des SGB über die Fluktuation seiner Mitgliederbestände vergleichsweise gut geht – das heisst also, dass der Verband seinen Job nicht schlecht macht und der traditionell heterogene Mix der Mitglieder und Tätigkeitsfelder sich bewährt.

LB: Brigitte, vielen Dank für dieses Gespräch.

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