SMPV ‒ der Weg zur Musik
Schweizerischer
Musikpädagogischer Verband
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Lucas Bennett: Wie bist Du zur Musik gekommen?

Brigitt Leibundgut: Das steckte einfach in mir, kam aus meinem Inneren - ich bin in einem kulturell offenen Klima aufgewachsen und hatte früh Klavierunterricht. Ich übte sehr gerne und mochte meine Klavierlehrer, was natürlich nicht unwichtig ist.

LB: Hast du auch andere Instrumente erlernt?

BL: Leider nein. Das wäre etwas, was ich bestimmt tun würde, wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte. Das empfinde ich tatsächlich als Manko; ich musste sogar für die Ausbildung  Musikalische Früherziehung und Grundschule «flöteln» lernen, das konnte ich auch nicht (lacht).

LB: Für welches Instrument würdest du dich denn entscheiden?

BL: Für das Cello …

LB: Im Anschluss hast du ein Klavierstudium an der Berufsabteilung des Konservatoriums Bern absolviert. Unter deinen Lehrerinnen und Lehrer waren sehr bekannte Persönlichkeiten, so hast du auch bei Sandor Veress Theorieunterricht besucht. Wie war das?

BL: Das war schon sehr eindrücklich. Veress war ein sehr eigenständiger Charakter, den man zunächst etwas kennenlernen musste. Er pflegte schriftliche Arbeiten in den Stunden zu korrigieren und dachte mitunter lange nach, wie er etwas bewerten sollte… es kam vor, dass auf diese Weise eine halbe Stunde vorbeiging (lacht).

LB: Wer war deine Klavier-Hauptfachlehrerin?

BL: Das war Rosmarie Stucki. Sie war mit dem vielversprechenden Geiger Jürg Stucki verheiratet gewesen, der früh an einer Lungenentzündung gestorben ist – es war damals noch kein Penicillin verfügbar. Sie war eine anspruchsvolle Lehrerin und konnte durchaus irritiert reagieren, wenn man nicht in dem Tempo Fortschritte machte, wie sie sich das vorstellte.

LB: Du hast dich später unter anderem bei Hubert Harry weitergebildet…

BL: Ja, das war sehr anregend. Er hat eine andere Technik vermittelt, ich habe von ihm sehr viel lernen können. Eine wiederum ganz andere Technik und Auffassung, die mir sehr liegt, vermittelt der Pianist John Buttrick, dessen Unterricht ich aktuell besuche und von dem ich enorm profitiert habe.  

LB: Konzertierst du auch noch?

BL: In letzter Zeit nicht mehr. Früher habe ich vor allem begleitet und Kammermusik gespielt, zum Beispiel im Duo mit der Geigerin Brigitte Barandun.

LB: Was ist «deine» Musik?

BL: Ganz klar die Klassik und frühe Romantik; Mozart, Haydn, Beethoven… In Bezug auf Neue Musik war ich zwar sehr neugierig, aber es kamen keine Gelegenheiten auf mich zu, mich eingehender mit ihr auseinanderzusetzen.

LB: Du hast 1973 in Küsnacht eine private Musikschule gegründet. Wie ging das vonstatten?

BL: Ich habe das Projekt initiiert, in die Gründung und den Aufbau waren natürlich diverse Personen involviert. Das Ganze musste wirklich von null aufgebaut werden. Als private, zunächst gar nicht und dann nur geringfügig subventionierte Schule mussten wir wirklich um jeden Rappen kämpfen, den wir bekommen konnten, das war schon verrückt. Mittlerweile ist die Schule finanziell wesentlich besser gestellt.

LB: Wie bist du mit dem SMPV in Kontakt gekommen?

BL: Ich bin unmittelbar nach meinem Klavierdiplom im Frühjahr 1960 beigetreten. Man bekam zusammen mit der Agenda ein Anmeldeformular, und so meldete ich mich an und war dabei.

LB: Du hast damals privat unterrichtet?

BL: Ich unterrichtete zuerst privat. An der Musikschule in Küsnacht unterrichtete ich dann später natürlich auch. Ich habe auch eine zeitlang an der Kantonsschule Zürich Klavierstunden gegeben. Ausserdem habe ich auch Musikalische Früherziehung und Grundschule in Küsnacht und Zollikon unterrichtet.

LB: Wie kam es zu deinem Engagement im Vorstand der Sektion Zürich des SMPV, in dem du ab 1978, und von 1990 bis 1999 als Präsidentin tätig warst?

BL: Ich war damals von Genf nach Zürich gezogen und hatte schon Kontakt mit der Sektion, weil ich immer wieder Schülerkonzerte veranstaltete. Bernhard Biletter fragte mich an, ob ich im Vorstand mitarbeiten würde. Das war eine gute, produktive Zeit; ich denke gerne an die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen zurück.

LB: Wie begann Deine Mitarbeit im Zentralvorstand?

BL: Ich traf einmal per Zufall Roland Vuataz am Zürcher Hauptbahnhof und er fragt mich, ob ich Interesse hätte, im Zentralvorstand mitzuarbeiten. Ich fragte zurück, ob ich nicht schon zu alt sei – da musste er nur laut herauslachen (lacht).

LB: Was waren in dieser Zeit die wichtigsten Themen?

BL: Es drehte sich schon damals häufig um Mitgliederwerbung und Geld (lacht). Und später war natürlich die Überführung der Berufsausbildung des SMPV ins Bolognasystem ein wichtiges Thema.

LB: Glaubtest du damals, dass letzteres gelingen würde?

BL: Ich habe es immer gehofft. Viele waren natürlich skeptisch, ob der Hochschulstatus je würde erlangt werden können, gerade auch Kenner des Hochschulwesens. Allerdings weiss ich nicht, ob das Ziel ohne die Partnerschaft mit der Kalaidos Fachhochschule hätte erreicht werden können.

LB: Du hast  im Vorstand der Sektion Zürich, dann im Zentralvorstand, als Vizepräsidentin und schliesslich Zentralpräsidentin des SMPV insgesamt 36 Jahre SMPV-Geschichte miterlebt und –gestaltet. Welche Entwicklungspotentiale siehst du beim SMPV für die Zukunft?

BL: Ich sehe einiges Potential für moderate Reformen an der Struktur des Verbandes, wobei der Zentralverband nach wie vor eine wichtige Rolle spielen wird. Die Sektionen könnten auch stärker in die Führungsarbeit des Zentralverbandes eingebunden werden, wobei das natürlich auch massgeblich von der Bereitschaft abhängt, sich aktiv einzubringen und mitzuarbeiten.

LB: Was kann der Verband deiner Meinung nach  in Zukunft – nach der Auslagerung der Berufsausbildung – im Bereich der Musikpädagogisch inhaltlich anbieten?

BL: Ich denke, der SMPV kann in Zusammenarbeit mit der SAMP (Schweizerische Akademie für Musik und Musikpädagogik, d. Red.) im Weiterbildungsbereich und mit Kursangeboten einen wichtigen Beitrag leisten. Da sehe ich viel Potential für die Zukunft. Aber auch in diesem Bereich ist das Interesse und die Mitarbeit der Basis und des Publikums entscheidend für das Gelingen.

LB: Brigitt, vielen Dank für dieses Gespräch.

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