Stellungnahme des Kultursektors vom 10. Juli 2020 zum dringlichen Covid-19-Gesetz

I. AUSGANGSLAGE
Kultur als Sonderfall?
Die Kultur war als eine der ersten Branchen von den Covid-19-Massnahmen betroffen, und
auch aktuell ist der Kultursektor noch weit vom Normalbetrieb entfernt. Veranstaltungen
gehören zum Kerngeschäft der Kultur und sind wegen der Folgen der Covid-19-Krise zu
einem noch grösseren Hochrisikogeschäft geworden, als sie im Normalbetrieb schon sind.
Daher ist es unabdingbar, dass das dringliche Bundesgesetz verbindliche Regeln zur Kultur
enthält.
Kultur ist ein Schweizer Wirtschaftsfaktor
Der Anteil der in der Kultur- und Kreativwirtschaft Beschäftigten (Vollzeitäquivalent) an der
Gesamtwirtschaft ist mit 5 % vergleichbar mit jenem der Tourismusbranche, deren Anteil
4.8 % beträgt (Kulturstatistik des Bundes 2019). Gemäss der Statistik «Bestand aktiver
Unternehmen nach Rechtsformen, Kulturwirtschaft gemäss Definition BFS, 2017» gibt es in
der Schweiz rund 65’000 Kultur-Unternehmen mit insgesamt rund 224’000 Beschäftigten.
Der ganze Kultursektor ist ein fein austariertes Wirtschaftssystem, dessen Strukturen über
Jahrzehnte sorgfältig aufgebaut wurden. Kultur schafft Wertschöpfung auch in anderen
Sektoren, etwa in der Hotellerie oder in der Gastronomie. Damit Anlässe geplant und
durchgeführt werden können, braucht es unzähliges Fachpersonal aus den
verschiedensten Bereichen.
Hochrisiko Kultur
• 2020: Bis mindestens Ende 2020 ist nicht mit einem normalen Kulturbetrieb zu
rechnen. Kulturunternehmen und Kulturschaffende leiden unter gravierenden
Einnahmedefiziten. Sie können dies auch mit grössten Anstrengungen nicht ändern,
da Kulturanlässe seit Covid-19 als noch grösseres «Risiko» gelten und faktisch stark
eingeschränkt bleiben. Das Publikum traut sich nicht zu kommen. Die
Veranstaltenden sind besorgt um die Sicherheit aller Beteiligten. Auftritte im
Ausland oder von ausländischen Künstlerinnen und Künstlern in der Schweiz sind
nur beschränkt möglich.
• 2021–2022: Zahlreiche Anlässe, Festivals, Projekte wurden auf 2021 verschoben.
Damit kommt es 2021 auf jeden Fall zur «zweiten Welle» für den Kultursektor, denn
diese Verschiebungen blockieren neue Anlässe.
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Der Kultur- und Veranstaltungssektor ist vom Normalbetrieb noch weit entfernt. Diese
Feststellung deckt sich mit den Aussagen im Erläuternden Bericht zum Covid-19-Gesetz.

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